Kürzlich, an einem nebligen Sonntagmorgen habe ich meine festen Schuhe geschnürt und bin einfach losgewandert. Zack, aus der Haustür raus, links das historische Stedtli runter. Adelberg heisst es hier. Das vornehme Geschlecht hatte 1673 am Berg ein Haus gebaut und der ganzen Flur den Namen gegeben. Im Volksmund heisst es «Noodlebärg», wie in der grossen Stadt. Der Vorteil der kleinen Stadt Waldenburg ist, dass bei uns das Naherholungsgebiet gerade vor der Haustüre beginnt. So bin ich an jenem Sonntag einfach der Nase nach weitergewandert, bin den Wil hochgekraxelt und schon da gestaunt, wie schön die Nebelwalzen von «ännet» der Grenze zu uns hinüber blinzelten. Weiter ging es bis zum Tschoppenhof. Da nahm ich die Abbiegung nach Titterten und staunte nicht schlecht, als ich kurz darauf einem Rossgespann begegnete. Es kam aus dem Nebel auf mich zu geschwebt, filmreif. Spätestens, als ich Arboldswil erreichte, schien die Sonne. Und ab da war auch mein Kopf frei.
Einen freien Kopf brauchen wir bei uns in Waldenburg. Die schweren Wolken mit Namen «Bilanzfehlbetrag» oder einfacher gesagt «Schuldenberg», werfen seit Jahren dunkle Schatten. Mit vereinten Kräften drehen wir jeden Stein um und suchen auf Grund unserer Finanzanalyse nach Möglichkeiten, den in Schieflage geratenen Haushalt in Ordnung zu bringen. Es ist uns gelungen, ein im Vergleich zu den Vorjahren besseres Budget 2025 zu präsentieren. Jedoch ging dies dem Kanton zu wenig weit. Steuern hoch oder Schwimmbad zu, um das Budget auszugleichen, so die Verfügung. Ob all dieser schwierigen Fragen, wo wieviel gespart werden kann und soll, kann der Schädel schon brummen. Der Kopf ist nicht mehr frei. Druck, Befürchtungen, Unmut erschweren das Denken.
Da hilft es eben rauszugehen. Die Perspektive zu wechseln. In die Natur zu gehen, eine der grossen Schätze unserer Gemeinde. Oder sich im neuen Kulturraum von Künstlerinnen inspirieren zu lassen; am Chlause Ylüte zu wissen, dass es Traditionen gibt, die alles überdauern; in einem unserer guten Restaurants einzukehren und dankbar zu sein, dass es in der Gemeinde so viele engagierte Menschen gibt, die Anlässe wie Wemotion ermöglichen, die Ville des Arts jedes 2. Jahr organisieren, Begegnungsorte mit Kaffee und mehr anbieten, die Fasnacht bunt und laut durchführen; oder sich zu freuen über die Waldenburgerinnen und Waldenburger, die zwar weggezogen sind und dennoch den Weihnachtsmarkt wiederbelebt haben und zu wissen, dass es Engagierte gibt, die sich für das Schwimmbad einsetzen und von sich aus Sponsoring betreiben wollen! Oder all die Vereine, welche sich um Jung und Alt kümmern, indem sie Gelegenheiten schaffen für gemütliche gemeinsame Stunden.
Unser Stedtli lebt! Wohnungen werden gebaut und Liegenschaften im Stedtli wie das Bezirksgericht vorbildlich saniert. Es lohnt sich dermassen, sich für dieses Stedtli, diese Perle einzusetzen. Deshalb geht mein Jahr trotz Sturm und Wolken hoffnungsvoll zu Ende. Das wünsche ich Ihnen auch!